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Bitcoin SV (BSV) verdoppelt Wert. Marktkapitalisierung überholt Litecoin. Warum?

Bitcoin SV (BSV) verdoppelt Wert. Marktkapitalisierung überholt Litecoin. Warum?
Die Kryptokurse feiern derzeit wieder grüne Zahlen. Die Preise aller Währungen steigen deutlich an – aber kein Coin gewinnt so viel wie Bitcoin SV. Woran liegt es? Nur eine Manipulation der Preise? Ein neuer Streich von Craig Wright? Oder antizipiert der Markt die Anfang Februar erfolgende Genesis-Fork, die das wohl ambitionierteste und auch wagemutigste Upgrade ist, dass die Bitcoin-Software jemals gesehen hat?
Grün ist eine so schöne Farbe. Spinat ist grün, Wälder sind grün, und wenn eine Ampel grün wird, darf man weiterfahren. Aber es gibt kaum einen Ort, an dem Grün so himmlisch ist, wie auf Krypto-Börsen. Grüne Balken, grüne Zahlen, so weit das Auge blickt, bei Bitcoin und Ethereum, bei Ripple, Dash und Litecoin. Aber es gibt einen Coin, der mehr als alle anderen gewonnen hat – nämlich Bitcoin SV (BSV).
Am dritten Januar wurde BSV auf Bitcoin.de für 87 Euro gehandelt. Bis zum 10. Januar stieg der Preis auf 105 Euro, womit Bitcoin SV lediglich die allgemeine kleine Rally, die sich auf alle Kryptowährungen erstreckte, ein kleines bißchen stärker mitnahm. Danach ging es los: Der Preis stieg über das Wochenende rapide an und entkoppelte sich dabei von den anderen Währungen. Heute – in diesem Moment – werden BSV auf Bitcoin.de ab 181 Euro angeboten. Damit hat sich der Kurs in wenigen Tagen mehr als verdoppelt.
Der BSV-Preis im Ein-Monats-Chart bei Bitcoin.de
Die Entkopplung vom Rest des Marktes erkennt man am besten, indem man auf den Preis von BSV in Bitcoin (BTC) schaut. Der gurkte im Dezember zwischen 0,011 und 0,014 BTC herum, stieg bis zum 10. Januar auf 0,015 und schoss von dort auf heute 0,025. Auch im Vergleich zu Bitcoin Cash – das seinen Wert in Bitcoin ebenfalls deutlich gesteigert hat – gewann BSV massiv: Von etwas weniger als 0,5 auf heute mehr als 0,7 BCH. Im Ranking der Kryptowährungen nach der Marktkapitalisierung überholte BSV zunächst den Binance Coin (BNB). Dies war für BSV-Anhänger ein besonderes Vergnügen, da die Börse Binance es war, die im April 2019 den Trend einleitete, BSV vom Handel zu nehmen, weil Craig Wright so ein schlimmer Mensch ist .
Der BSV-Preis in Bitcoin.
Danach zog Bitcoin SV erst an EOS, dann an Litecoin vorbei, um nun auf Platz sechs zu stehen. Im Ranking der Krypto-Marktkapitalisierung ergibt dies das neuartige Bild, dass von den ersten sechs Coins drei das Wort “Bitcoin” im Namen tragen und auf einer Blockchain laufen, die mit dem Genesis-Block vor mehr als elf Jahren beginnt und durch SHA-256 gemined wird. Da die Tether-Dollar (Rang 5) keine Kryptowährung im eigentlichen Sinne sind, bleiben in den Top-6 neben Bitcoin und seinen Forks also nur noch Ethereum und Ripple. Für Bitcoin-Complete-Maximalisten dürfte das erfreulich sein.
So viel Bitcoin war selten in den Top-6 der Marktkapitalisierung.
Wer es mag, wenn David Goliath besiegt und wenn der Underdog die Goldmedaille holt, wird eine heimliche Freude an der Kursexplosion haben. Im vergangenen Jahr haben einige der größten Börsen – Binance, Kraken, Shapeshift – BSV vom Handel genommen, weil sie einige seiner wichtigen Vertreter nicht mögen, während andere große Börsen wie Coinbase und Bitstamp noch nicht einmal daran dachten, BSV zu listen.


This is why we delisted it from ShapeShift
— Erik Voorhees (@ErikVoorhees) January 13, 2020

Auch die meisten Hardware-Wallets wie Ledger und Trezor lehnen es pauschal ab, BSV zu integrieren. Ledger beispielsweise funktioniert mit mehr als 20 Kryptowährungen und hunderten von ERC-Token, unter denen vermutlich auch viele sehr fragwürdige ICO-Token sein werden. In den Listen der Assets von sowohl Ledger als auch Trezor findet man mehr als 10 Bitcoin-Varianten, darunter auch Perlen wie Bitcoin Red mit einer Marktkapitalisierung von satten 39.000 Dollar und einem Preis, der von der Spitze an 99,8 Prozent verloren hat. Aber, natürlich, kein Bitcoin SV. Denn die Wallets müssen ja ihre Kunden beschützen. Das ist schon etwas amüsant.
Große Magazine wie Coindesk oder auch TheBlock berichten aus Prinzip nicht über BSV (und wenn, dann über Craig-Wright-Skandale), und eine Masse an Krypto-Influencern erzählt den sozialen Medien tagein-tagaus, dass BSV ein Betrug ist, weil, nun ja, Craig Wright – ihr wisst schon .


The endless supply of $BSV plebs is simply astonishing.
And it’s enabled by every single institution, conference and influencer who gives it legitimacy by featuring these people and giving them a platform. Sad. pic.twitter.com/KT4c5XKQNZ
— Mike Dudas (@mdudas) January 13, 2020

Es bereitet also eine gewisse Freude, wenn Bitcoin SV, entgegen aller Versuche zentraler Stellen im Ökosystem, es nieder zu drücken, nicht eingeht, sondern floriert. Ein Top-6-Coin, der weithin ignoriert und geschmäht wird, und ein Streisand-Effekt mit der vollen Wucht. Wer mag so etwas nicht?
Aber was steckt nun hinter dieser Explosion?
Craig Wrights Tulip-Trust-Saga
Wie immer kann man Preisbewegungen kaum kausal erklären. Es könnte dieser Grund sein, oder jener, je nachdem, welche Korrelation zu anderen Ereignissen man entdeckt. Oder etwas, von dem man noch gar nicht weiß. Ebenso könnte es auch gar keinen echten Grund geben: Eine Laune eines reichen Menschen, ein Zirpen in der Massenpsychologie der Märkte. Dennoch ist es interessant, über Ursachen zu spekulieren.
Eine Theorie, die geäußert wurde, hängt mit, ihr ahnt es, Craig Wright zusammen. Craig hatte vor Gericht angekündigt, Anfang Januar durch einen “bonded Kurier” die Schlüssel zu den Bitcoin-Wallets von Satoshi zu erhalten. Zumindest vielleicht. Die Story wird in weithin angezweifelt – sie hört sich im Detail auch sehr absurd an – weshalb in den sozialen Medien, kaum hat das neue Jahr begonnen, der Spott über den selbsternannten Bitcoin-Erfiner ausgeschüttet wurde.
Nachdem Craig Wright vor Gericht eine herbe Schlappe erhalten hat – Beobachter sprachen von einem prozessentscheidenden Frühurteil – zog nun ein höherstehender Richter dieses Urteil (falls es denn eines war) zurück und gewährte Craig bis Anfang Februar Zeit, um die angeforderten Adressen zu präsentieren. Der hat nun – früher als erwartet – ein Dokument eingereicht, das einen Anhang von 428 Seiten enthält, weshalb spekuliert wird, dass es sämtliche zu Satoshi gehörenden Adressen enthält. In einem privaten Chat kündigte Craig an, dass der “bonded Kurier” angekommen sei.

Es kann natürlich sein, dass dieser Zug einen Einfluss auf den Preis hatte. Schließlich hat Craig auch mal – eher lose und widersprüchlich – angekündigt, dass er, sobald er die Coins bekommt, BTC und BCH verkaufen und die Erlöse in BSV bzw. das BSV-Ökosystem investieren wird. Und überhaupt – sollte Craig tatsächlich Satoshi sein (ich habe meine Zweifel), dann verleiht dies Bitcoin SV einen gewaltigen Reputations- und Legitimationsschub. Wie peinlich wäre es für die großen Börsen und Magazine, den Coin des Vaters des Ökosystems zu boykottieren?
Aber ich mag diese Theorie nicht besonders. Sie drückt die Erwartung aus, dass der große Craig es endlich richten wird. Hinter ihr steckt ein Hoffen auf eine Autorität, und wenn Craig so handelt, wie man ihn bisher kennt, gibt es wenig Gründe, darauf zu vertrauen, dass dies mehr ist als eine Taktik, um die Gerichtsverhandlungen in die Länge zu ziehen. Der Preisanstieg von BSV in den letzten Tagen würde demnach auf wackeligen Beinen stehen und vermutlich dann, wenn die Normalität zurückkehrt und Craig nicht liefert, wieder in sich zusammenfallen.
Es werde Genesis
Allerdings kann es noch mehrere Gründe geben. Beispielsweise das Genesis-Upgrade. Am 4. Februar wird Bitcoin SV die finale Hardfork einleiten, die die Wiederherstellung des Protokolls von Satoshi abschließen soll. Die Änderungen sind gewaltig, extrem ambitioniert – und mit Sicherheit auch nicht ungefährlich.
Das Blocksize-Limit wird standardmäßig vollständig entfernt. Miner können weiterhin ein eigenes Limit setzen – und sollten das auch tun – aber es wird keine Begrenzung der Kapazität der Blöcke im Protokoll mehr geben. Dazu werden noch zahlreiche weitere Limits abgeschafft: für die Menge an Arbeitsspeicher, die das Signieren beansprucht, für die Anzahl an Signatur-Operationen je Megabyte und Transaktion, für die Anzahl an Op_Codes je Skript, die Größe sowie die Anzahl an Elementen in Skripten. Die Größe einer einzelnen Transaktion hat weiterhin ein Limit; dieses jedoch erhöht sich auf 1 Gigabyte. Nicht-Standard-Transaktionen werden erlaubt sein, was es ermöglichen wird, sehr viel komplexere Transaktionen zu komponieren als bisher.
Wer all das nicht richtig einordnen kann: Die Lösung all dieser Limits ist die Verwirklichung der ökonomischen Idee der Big Blocker – dass es keine Limits im Protokoll zu geben braucht, sondern dass die Miner in einem freien Markt die richtigen Entscheidungen treffen. Zur gleichen Zeit ist sie der Teufel der Small Blocker, der nackte Wahnsinn und Selbstmord, wenn man das glaubt, was im Lauf der letzten Jahre zum kleinen 1×1 der Blockchain-Technologen wurde: Bitcoin kann nicht onchain skalieren, all die Limits – auf Block-, Transaktions- und Skriptgrößen – sind notwendig, weil die Miner die Kryptowährung ansonsten zerstören würden.
Das Genesis-Upgrade enthält noch weitere Änderungen, die kaum weniger spektakulär sind. So werden die von Bitcoin Core eingeführten Op_Codes OP_CHECKLOCKTIMEVERIFY und OP_CHECKSEQUENCEVERIFY für neue Transaktionen abgeschafft und durch die ursprünglichen nLockTime und nSequence ersetzt; wie es auch nicht erlaubt sein wird, per P2SH Coins an Adressen zu senden, die mit einer 3 beginnen. Gerade letztere Änderung unterbricht die bei Bitcoin und Bitcoin Cash gängige Methoden, Multisig-Adressen zu generieren, was etwa dazu führte, dass die Wallet BitGo – die im Backend vieler Börsen arbeitet – gezwungen wird, die Unterstützung von Bitcoin SV einzustellen.
Ferner gibt es einige technische Upgrades, die vermutlich helfen sollen, die Nodes bereit für die neue Datenflut zu machen: So führen die Entwickler die parallele Validierung von Blöcken ein, ein effektiveres Verfahren zur Blockübertragung sowie ein Timeout bei der Validierung von nicht-Standard-Transaktionen.
Sollte Bitcoin SV den Februar überleben – sollte die Kryptowährung die Vielzahl an Angriffen überstehen, die durch die Limits bisher verhindert wurden – dürfte die Kryptowährung den Punkt gemacht haben, den Bitcoin Cash niemals machen konnte oder durfte: zu beweisen, dass die onchain-Skalierung funktioniert, dass sich Bitcoin selbst reguliert und keine Entwickler-Gremien braucht, die bestimmen, in welchen Grenzen die Miner operieren. Sollte Bitcoin SV dagegen sterben – oder erheblichen, irreparablen Schaden nehmen – wird sich gezeigt haben, dass Limits tatsächlich notwendig sind. Es ist gefährlich, wagemutig und vielleicht sogar wahnsinnig – aber Bitcoin SV geht aufs Ganze und macht das, was sich “Big Blocker” schon immer gewünscht haben. Es schafft Tatsachen. Das verleiht der Kryptowährung zumindest Relevanz.
Konferenzen und Apps
Der Februar wird für Bitcoin SV daneben eine Menge Unterhaltung bringen. Es gibt einige große und hochkarätige Veranstaltungen. In London findet die CoinGeek-Konferenz statt, bei der sich das Who-is-Who von Bitcoin SV halbjährlich auf einem anderen Kontinent trifft. Unter den bisher bekannten Sprechern sind die üblichen Verdächtigen – Craig Wright, Jimmy Nguyen, Alex Apagut von Handcash, Ryan X. Charles von MoneyButton, Daniel Conolly und Steve Shadders von nChain – aber überraschenderweise auch eine Personalie wie Thomas Moser von der Schweizer Nationalbank.
Die CoinGeek-Konferenz zeigt, dass sich bei Bitcoin SV ein stabiles und vernetzungsfreudiges Ökosystem von Unternehmen gebildet haben, die langfristig mit der BSV-Blockchain arbeiten wollen, und dass dieses Ökosystem auch neue, prominente Gesichter anziehen kann. Eine solche halbjährliche Veranstaltung zu haben ist in jedem Fall etwas, das einer Kryptowährung hilft.
Neben der CoinGeek findet in Berlin ebenfalls im Februar der dritte Hello Metanet Workshop statt. Diese halbjährliche Mini-Konferenz – die irgendwo zwischen Hackathon und Barcamp schwankt – zieht immer mehr auch internationale Entwickler an und widmet sich vor allem der Technologie, durch die Daten auf das “Metanet” von Bitcoin SV hochgeladen und genutzt werden. Da ich einer der Initiatoren des ersten Hello Metanet Workshops war, bin ich hier natürlich nicht unbefangen.


Here, in BSV, the opposite is occurring. A perfectly useful money with aspirations of global domination has been championed by someone I have very little reason to believe is who he says he is.
— Jason Smith (@iwearahoodie) January 14, 2020

Darüber hinaus treffen sich zahlreiche Bitcoin-SV-Entwickler zu CambrianSV , ein von Jack Liu, einem ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter der großen chinesischen Börse OkCoin, veranstalteter Workshop, bei dem Jack Liu etwa zwei Dutzend Entwicklern die Reise nach Portugal bezahlt, damit sie dort gemeinsan an ihren Projekten arbeiten und sich austauschen.
Solche Konferenzen haben nicht per se eine Wirkung auf den Preis. Aber sie demonstrieren nach außen, dass Bitcoin SV ein äußerst lebendiges Ökosystem ist – während sie nach innen Kooperation, Vernetzung und Commitment von Entwicklern und der Community fördern.
Es gäbe noch mehr zu berichten. Etwa dass es hunderte von BSV Apps gibt, die wohl von Leuten entwickelt werden, die – aus welchem Grund auch immer – BSV mögen. Oder dass BSV seit mehreren Monaten konstant mehr Transaktionen macht als Bitcoin (BTC) und zum Teil auch Ethereum. All dies spricht eventuell dafür, dass die Märkte langsam erkennen, dass BSV mehr als Craig Wright ist und eben doch nicht der leere Betrug, als den es von den zentralen Stellen im Ökosystem unisono dargestellt wird.
Es könnte aber natürlich auch ganz anders sein …
 

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