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DHL-Erpresser will 10 Millionen Euro in Bitcoins

Man hätte es ahnen können: Der Erpresser, der mit der Post eine Nagelbombe in die Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarktes geschickt hat, möchte 10 Millionen Euro in Bitcoins von der DHL. Werden Erpressungen dank Bitcoin wieder chic?
Es ist nicht das erste Mal, dass jemand versucht, Bitcoins zu erpressen. Erst im Juni hatten wir einen Lebensmittelerpresser , und die Bitcoin erpressende Ransomware ist schon seit Jahren eine Plage, die zuweilen auch Krankenhäuser und die Deutsche Bahn befällt. Bitcoins oder andere Kryptowährungen sind eine gute Währung für Erpresser, da sie die Geldübergabe sehr vereinfachen. Das ist nichts neues.
Neu an dem DHL-Erpresser ist allerdings die Dimension der Erpressung. Jemand sendet per DHL ein Paket mit Nageln und Böllern – eine Nagelbombe – in die Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarktes, ausgerechnet an eine Apotheke. Die Bombe war so gebaut, dass sie beim Öffnen des Pakets eventuell explodierten. Allerdings fielen dem Apotheker merkwürdigen Drähte auf, die aus den Spalten der Paketöffnung heraus standen. Nachdem er zudem ein Zischen hörte, als er das Paket vorsichtig zu öffnen begann, ließ er es lieber geschlossen und informierte die Polizei.
In dem Paket fand die Polizei neben den Nägeln, Böllern und einem Zünder auch einen QR-Code, durch den der Erpresser seine Forderung kodiert hatten. Der DHL soll 10 Millionen Euro in Bitcoin bezahlen. Ansonsten werden bundesweit weitere Bomben versendet. Laut der Nachricht hat der Erpresser bereits ein ähnliches Paket an einen Elektro-Händler in Frankfurt an der Oder gesendet. Der Händler hat das Paket geöffnet, wodurch dieses in Brand geraten ist. Es scheint, als sei der Erpresser nicht eben ein geübter Bombenbauer.
Die Polizei erwartet, dass es weitere Paketbomben geben wird. Kleine Unternehmen, aber auch Privatpersonen, werden aufgefordert, bei der Annahme von Paketen Vorsicht walten zu lassen. Wenn man ein Paket nicht erwartet hat, der Absender unbekannt ist oder es andere Auffälligkeiten gibt, etwa herausstehende Drähte, solle man lieber die Polizei rufen und das Paket derweil an einen Ort stellen, an dem es weit weg von anderen Menschen liegt. In Ulm kam heute morgen ein Mitarbeiter eines Unternehmen in einem Gewerbegebiet dieser Aufforderung nach, nachdem er ein verdächtiges Paket entgegengenommen hatte. Die Polizei rückte an, evakuierte das Gebäude und sperrte sogar die Zufahrtsstraßen zur Innenstadt. Am Ende war es ein Fehlalarm, es handelte sich um Werbung.
Der Erpresser spielt mit den Ängsten der Bevölkerung. Nicht zufällig dürfte ein Weihnachtsmarkt in Hauptstadtnähe das erste Ziel gewesen sein. Fand doch hier vor einem Jahr einer der ersten großen Terroranschläge in Deutschland statt. Der Potsdamer Weihnachtsmarkt wurde auch umgehend nach Fund des Pakets abgeriegelt und erst einige Tage später wieder geöffnet. Der Erpresser spielt aber auch mit einem Bürgerrecht – dem Brief- und Paketgeheimnis. Wenn Big Brother nach einem Grund gesucht hat, das Briefgeheimnis abzubauen – dann hat er ihn spätestens jetzt gefunden.
Die Rolle von Bitcoin in diesem ekelhaften Drama kann man nicht wegreden. Eine Kryptowährung wie Bitcoin kappt jede physische Verbindung bei der Geldübergabe, ohne, wie Banküberweisungen oder andere unbare Zahlungsmittel, eine Spur zum Adressaten zu legen. Dass der Erpresser eine Bitcoin-Adresse hat, sagt nichts, gar nichts, über ihn aus. Bitcoin macht, auch das lässt sich nicht kleinreden, Erpressungen wieder attraktiv.
Mit Bitcoin kann man anonym Geld empfangen. Was man aber nicht kann – und was vielen nicht ganz bewusst ist – ist, anonym Geld zu versenden. Falls der DHL bezahlt, dürfte der Erpresser noch die Folgen der fehlenden Anonymität von Bitcoin zu spüren bekommen. Denn die Adresse, an die die Bitcoins gehen, wird mit Sicherheit markiert werden. Sobald der Erpresser sie bewegt, etwa um sie gegen Euro zu verkaufen, wird man der Spur der Coins folgen. Vermutlich würde der Erpresser irgendwann erwischt werden, wenn er die Coins auf einer Börse einzahlt – oder er würde sie auf lange Zeit in seiner Wallet liegen lassen, wo sie dann faktisch die bereits große Menge verlorener Bitcoins erhöhen würden. Filed under: Deutsch


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